Carsten Schöne

Bildung & Beratung für die Soziale Arbeit
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Erziehungsprobleme? Hier für "Die Super Nanny" bewerben! *

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Der Sozialen Arbeit ist es endlich gelungen, jene öffentliche Anerkennung und Wahrnehmung zu erhalten, nach der sie sich so lange gesehnt hat. Streetwork und Erziehungshilfe finden im Fernsehen Berücksichtigung zu den besten Sendezeiten. Aber sind die "Super Nanny" Katja Saalfrank und der "Einfänger" Thomas Sonnenburg tatsächlich die Botschafter der Sozialarbeit? Keineswegs, denn deren Handeln und Bedingungen entstellen die tägliche Praxis der Sozialarbeit bis zur Unkenntlichkeit. Mit der Kamera im Rücken lässt sich sicher so manche Institution zu schnellerem und umfassenderem Handeln bewegen, als dies viele Kolleginnen und Kollegen im Berufsalltag erfahren dürfen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Vorlage eines Presseausweises das Handeln von Behörden unwahrscheinlich beschleunigen kann, doch warum bedarf es des Einsatzes solcher Mittel?
Saalfrank und Sonnenburg vermitteln mit ihren Sendungen ein Bild von Sozialer Arbeit, das von den Realitäten weit entfernt ist. Welche/r Streetworker/in hat ein Zeit- und Finanzbudget zur Verfügung, das ihr / ihm so umfassende Begleitungsmöglichkeiten wie Sonnenburg ermöglicht?  Sozialpädagog/inn/en im ASD empfangen im Stundentakt je Arbeitstag mitunter 6 bis 8 Familien zur Beratung. Der RTL-Super-Streetworker kann sich über Wochen mit einem Einzelfall beschäftigen. Offensichtlich ist er die "eierlegende Wollmilchsau der Sozialen Arbeit", der alle Leistungen, von Streetwork, über Wohnungslosen- und Sucht- bis hin zur Erziehungshilfe, aus einer Hand anbietet - ein Albtraum!

Die Sendeformate tragen zu einer Stigmatisierung der dargestellten Menschen bei. Im Einzelfall gefährden sie auch Unbeteiligte, indem - wie kürzlich geschehen - beispielsweise Jugendliche beim Drogenkonsum gefilmt und gezeigt werden. Eine Einladung an die Ordnungsbehörden zur Verfolgung möglicher Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Doch was kümmert das die Firmen, die die Sendungen für RTL produzieren. So lange die Quote stimmt, wird die Kamera auf das Elend der Hilfesuchenden gerichtet, denen vermittelt wird, dass es keine Alternativen zu Saalfrank oder Sonnenburg gibt: "Er ist ihre letzte Chance, um doch wieder eine Familie zu werden."*

Immer wieder versuchen die Produktionsfirmen über Jugendhilfeeinrichtungen an "neues Material" für ihre voyeuristischen Werke heranzukommen. Zahlreiche Anfragen landen beim JugendInfoService Dresden, der sich aus pädagogischen und Datenschutzgründen nicht als Klientenvermittlungsagentur betätigt. "Wir suchen momentan problembehaftete Jugendliche, die bereit sind ihre Lebensgeschichte im Rahmen einer Fernsehsendung zu erzählen. Es handelt sich um eine Reportage für den Fernsehsender Pro7, in dessen Verlauf wir gerne den Alltag von Jugendlichen aufzeigen möchten, die in ihrem Leben vor großen Problemen stehen und diese versuchen, zu bewältigen. (…) Unser Ziel ist es, mit qualitativ hochwertigen TV-Beiträgen und Reportagen dem Zuschauer zu zeigen, dass Fernsehen nicht nur Unterhaltung, sondern im besten Falle auch Bildung sein kann." Dem ist nichts hinzuzufügen. Fernsehen kann "im besten Falle" auch Bildung sein, auch wenn es sich nur um die Bildung von Vorurteilen handelt. Als Therapie für die geschätzten Zuschauer/innen reicht der Unsinn allemal, schließlich beruhigt es unwahrscheinlich zu wissen, dass es anderen viel schlechter geht.

Carsten Schöne

* Originaltext von der Website von RTL, Quelle: www.rtl.de  

(Veröffentlicht in CORAX - Magzin für Kinder- und Jugendarbeit, Ausgabe 1/2009)

 


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